Pi-hole – Werbe- und Tracking-Blocker im Heimnetz
Pi-hole ist ein netzwerkweiter DNS-Filter, der Werbung, Tracker und schädliche Domains bereits auf DNS-Ebene blockiert. Statt auf jedem Endgerät einen Adblocker zu installieren, wird Pi-hole zentral im Netzwerk betrieben – häufig auf einem Raspberry Pi oder in einem Docker-Container.
Funktionsweise von Pi-hole
- Clients im Netzwerk verwenden Pi-hole als DNS-Server.
- Pi-hole prüft jede DNS-Anfrage gegen Blocklisten (Ad-/Tracking-Domains).
- Geblockte Domains werden nicht aufgelöst, Werbung und Tracking-Anfragen laufen ins Leere.
- Erlaubte Domains werden an einen Upstream-DNS-Server (z. B. Unbound, DoT/DoH-Resolver) weitergeleitet.
Systemvoraussetzungen
- Raspberry Pi (oder x86-Server/VM, NAS, Docker-Host)
- Stabile Netzwerkverbindung (LAN empfohlen)
- Statische IP-Adresse im lokalen Netz
Pi-hole Installation (klassisch auf Linux)
Pi-hole wird in der Regel auf einem Debian-/Ubuntu-basierten System installiert.
sudo apt update
sudo apt upgrade
curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash
- System aktualisieren (apt update/upgrade).
- Installationsskript ausführen und den Dialogen folgen.
- Upstream-DNS-Server wählen (z. B. Quad9, Cloudflare oder eigenen Resolver).
- Blocklisten übernehmen (Standardlisten können später erweitert werden).
- Webinterface und Admin-Passwort notieren.
Pi-hole Installation mit Docker
Pi-hole kann auch in einem Docker-Container betrieben werden, z. B. auf einem NAS oder Server.
docker run -d \
--name pihole \
-p 53:53/tcp -p 53:53/udp \
-p 80:80 \
-e TZ="Europe/Berlin" \
-v /opt/pihole/etc-pihole:/etc/pihole \
-v /opt/pihole/etc-dnsmasq.d:/etc/dnsmasq.d \
--dns=127.0.0.1 --dns=1.1.1.1 \
--restart=unless-stopped \
pihole/pihole:latest
Wichtig ist, dass Port 53 (DNS) und Port 80 (Webinterface) erreichbar sind und der Host eine statische IP besitzt.
Grundkonfiguration von Pi-hole
Zugriff auf das Webinterface
Nach der Installation ist das Webinterface über die IP-Adresse des Pi-hole-Servers erreichbar:
http://<PIHOLE-IP>/admin
Im Dashboard werden Statistiken zu Anfragen, geblockten Domains und Top-Clients angezeigt.
Upstream-DNS-Server konfigurieren
Unter „Settings → DNS“ können Upstream-DNS-Server gewählt werden, z. B.:
- Öffentliche Resolver (Quad9, Cloudflare, Google DNS)
- Eigener lokaler Resolver (z. B. Unbound für DNSSEC und Privacy)
Blocklisten verwalten
Pi-hole nutzt sogenannte Adlists, um Werbung und Tracking-Domains zu blockieren. Unter „Group Management → Adlists“ können zusätzliche Listen eingetragen werden.
https://raw.githubusercontent.com/StevenBlack/hosts/master/hosts
Nach dem Hinzufügen neuer Listen sollte die Gravity-Datenbank aktualisiert werden:
pihole -g
Pi-hole als DHCP-Server verwenden
Pi-hole kann optional als DHCP-Server fungieren und Clients automatisch die richtige DNS-Konfiguration zuweisen. Dies ist besonders sinnvoll, wenn der Router nur eingeschränkte DNS-Einstellungen erlaubt.
- Im Router den internen DHCP-Server deaktivieren (falls möglich).
- In Pi-hole unter „Settings → DHCP“ den DHCP-Server aktivieren.
- IP-Range, Gateway (Router-IP) und Lease-Time definieren.
- Clients neu verbinden, damit sie neue IP- und DNS-Einstellungen erhalten.
Typische Konfiguration im Heimnetz
Variante 1: Router zeigt auf Pi-hole als DNS
- Im Router Pi-hole-IP als primären DNS-Server eintragen.
- Optional sekundären DNS entfernen oder auf Pi-hole spiegeln (je nach Router).
- Clients erhalten Pi-hole automatisch per DHCP als DNS.
Variante 2: Pi-hole als DHCP + DNS
- Router-DHCP deaktivieren.
- Pi-hole-DHCP aktivieren und konfigurieren.
- Alle Clients nutzen Pi-hole direkt als DNS-Server.
Whitelist, Blacklist & Regex-Filter
Einzelne Domains können gezielt erlaubt (Whitelist) oder blockiert (Blacklist) werden. Zusätzlich unterstützt Pi-hole Regex-Filter, um ganze Domainmuster zu blockieren.
(^|\.)facebook\.com$
(^|\.)doubleclick\.net$
Damit lassen sich z. B. bestimmte Tracking-Domains oder komplette Dienste granular steuern.
Sicherheit & Best Practices
- Pi-hole-Admin-Interface nur im internen Netz erreichbar machen.
- Regelmäßige Updates von System und Pi-hole durchführen:
pihole -up
- Backups der Pi-hole-Konfiguration (Adlists, Whitelist, Blacklist, DHCP) erstellen.
- Optional Kombination mit einer Firewall (z. B. ufw) und einem lokalen Resolver (Unbound) für mehr Privacy.
Vorteile von Pi-hole im Netzwerk
- Werbung und Tracking zentral für alle Geräte blockieren.
- Weniger Datenverkehr, schnellere Seitenladezeiten.
- Mehr Privatsphäre, da Tracking-Domains nicht mehr aufgelöst werden.
- Transparente Statistiken über DNS-Anfragen im eigenen Netz.